Die Unwissenheit | Kapitelübersicht
Die Unwissenheit an sich ist völlig untragisch. Tragisch wird sie erst bei der Erkenntnis der Un- wissenheit. Dann kann sie weh tun, dann kann sie schmerzen.

Wir wissen so vieles nicht und oft schon haben wir dieses erkannt und es hat uns geschmerzt. Des- wegen haben wir uns angewöhnt, den Sack zuzuma- chen, wenn jemand versucht, uns etwas zu geben, von dem wir nicht sicher sind, wie schwer es wiegen wird. Dann sagen wir uns: Das verstehe ich nicht, das kann ich nicht und am schlimmsten: das brau- che ich nicht! Dieses sind unsere Antworten, die wir für solche Situationen in unseren Köpfen gespei- chert haben.

Es hat auch etwas mit unserem Stolz zu tun, dass wir so ignorant sind. Denn schließlich haben wir
uns ja schon etwas aufgebaut – zumindest eine Weltanschauung. Und diese Weltanschauung be- inhaltet auch unsere Überzeugung, dass wir nicht mehr brauchen, als bislang nötig gewesen ist,
dass wir nicht mehr brauchen, als unser bislang angesammeltes Wissen. Vielleicht Geld aus- genommen. Vielleicht ein fehlender Partner aus- genommen. Vielleicht das Glück ausgenommen.

Dabei liegt doch das wahre Glück in der Erfahrung, dass wir uns ständig erweitern können, neue Er- kenntnisse haben können und unser altes Wissen eventuell korrigieren müssen, oder positiv gedacht: korrigieren können! Zu diesem Glück gehört aber auch, dass wir es teilen können, wir benötigen sogar zu diesem Glück diese Eigenschaft des Teilens. Denn alles, was wir ansammeln, hat seinen höch- sten Wert in einem gemeinschaftlichen Zusam- menhang.

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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