Die Laufsteg-Linie als imaginäre Dolly-Schiene über Stock und Stein | Kapitelübersicht
Wo man auch steht und geht: Über kurz oder lang kommt eine hochbeinige Halbwüchsige herangerauscht, die Augen meist zu einem Schlitz zusammengezogen. Wenn man dabei gerade einen vielbegangenen Ampelweg überquert, ist man überrascht, wie unbeeindruckt von dem Gedränge die Laufsteigerin ihren Weg nimmt.

Früher versuchte man sich durch die Menge hindurchzulavieren und zeigte mit der einhergehenden Unbeholfenheit zumindest seine Umsicht. Das scheint für die Superstarinnen von Heute kein akzeptables Verhalten zu sein.

Man möchte sie am liebsten nehmen und gegen die nächste Wand werfen, damit sie aufwachen.

Dabei sind diese obskuren Geschöpfe des Flimmerns doch nur die Mitleid verdienenden Opfer von Medienprodukten, die sich höchst zweifelhafter Werte verschrieben haben, die sich in einer wertethischen Diskussion auf den niedrigsten Rängen bewegen würden: der Produktion von Hochglanz-Artefakten zur Vorspiegelung der falschen Tatsache, dass der höchste Erfolg nur innerhalb der Medien stattfindet und Popularität innerhalb dieser Scheinwelt Regeln gehorcht, die zwar dort entwickelt wurden, aber trotzdem oder vielmehr gerade deshalb als Vorschläge für Verhaltensmuster in der realen Welt weitergegeben werden.

– Was sind wir eigentlich?
– Tja, keine Ahnung. Konsumenten?
– So ist es. Wir sind Konsumenten. Wir sind Abfallprodukte der allgemeinen Lifestyle-Obsession. Mord, Elend, Verbrechen – solche Sachen interessieren mich nicht. Mich interessieren viel mehr all die Promi-Magazine, und Fernsehen mit 500 Kanälen, ein Namensschild auf meinen Unterhosen. Aspartam, Viagra, Olestra … ¹

Es muss überdacht werden, ob die Scheiße vermittelnde (wohlkalkuliert abcheckende) Freiheit (»Wie weit können wir gehen um maximale Resonanz zu bekommen ohne dabei drauf zu gehen?«), auf die sich die Scheißer berufen, ebendie ursprünglich gemeinte Freiheit ist. — Oder ob die Möglichkeit zur Freiheit in einem genuin menschheitlichen Wertesystem etwas ganz anderes meint.

Sinngabe meint, dass der Begriff Freiheit von Perversen als die Freiheit verstanden wird, alles tun und lassen zu können, was sie wollen. So kann Freiheit aber nicht gemeint sein. Wir sollten uns wieder nach der echten Freiheit mit ihrer Möglichkeit, ihre Zeit mit menschheitlichen Werten zu füllen, umschauen …

Aber zuerst musst Du aufgeben; zuerst musst Du wissen – nicht fürchten, sondern wissen –, dass Du einmal sterben wirst. ²

Das gilt übrigens auch für diejenigen Älteren, die die Halbwüchsigen nachahmen, in der intendiert doppelten Bedeutung.

¹ Fight Club, Regie: David Fincher; Twentieth Century Fox 2003 (DVD), USA 1999. 0:28:48–0:29:11

² 1:01:09–1:01:17

Doppel-DVD, Kinowelt Home Entertainment 2007

 

 

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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