Die Klimakatastrophe | Kapitelübersicht
Hoffentlich haben Sie jetzt keinen naturwissen-
schaftlichen Text erwartet. Es gibt so viele Medien, die Ihnen die Klimakatastrophe erklären wollen, da soll sich Sinngabe nicht dran hängen. Ich möchte nur auf vier Dinge hinweisen, über die Sie in Ihrem eigenen Haushalt wahrscheinlich auch verfügen: die Heizung, den Wasserkocher, den Herd und das Fenster.

Nehmen wir an, Sie erwarten an einem kalten Wintertag Freunde zu Besuch und haben dafür in Ihrer Küche den ganzen Vormittag gekocht. Der Herd alleine hat nicht genügend Wärme abgegeben um von Anfang an die Küche zu wärmen. Deshalb haben Sie sich noch eine Kanne Tee gekocht. Die Arbeit und der Gedanke an Ihre Freunde haben Sie dann doch gewärmt, die Heizung hat ihr Übriges getan.

Nun ist es später Mittag und Sie denken darüber nach, dass am Nachmittag Ihre Freunde bereits kommen. Sie prüfen die Luft. Der wabernde feucht-
warme Essensgeruch ist nicht zu überriechen. Sie möchten die Nasen Ihrer Freunde nicht beleidigen. So gehen Sie zu Ihrem Fenster, öffnen es und da geschieht es: Kühle, frische, sauerstoffhaltige Luft dringt in die Küche und in Ihre Nase und Lungen. Ein herrliches Gefühl überwältigt Sie und in einem Glückstaumel füllen sich Ihre Augen mit Glücks-
tränen der Dankbarkeit: Ja, Sie sind am Leben!

Ende der (etwas übertriebenen) Geschichte.

Was sich jetzt noch anschließen muss, ist eine Fra-
ge – damit Sie sich nicht fragen müssen, was der bisherige Text mit der Klimakatastrophe zu tun hat …

Frage: Meinen Sie, es gebe eine Verwandtschaft zwischen Ihrer Küche und der Erdatmosphäre (damit ist die dünne Luftschicht gemeint, die den Planeten umgibt)? Immerhin ist Ihre Küche ein ebenso abgeschlossener Raum. — Wenn Sie zu-
stimmen, hier noch eine

Zusatzfrage:
Ihre Küche hat ein Fenster. Wenn wir also weiter-
hin und ohne Unterbrechung, wie schon seit vielen Jahrzehnten, die vielen Wasserkocher, Heizungen und Herde laufen lassen und wir von deren Leistung profitieren, was meinen Sie: Ob irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem wir gerne mal das Fen-
ster öffnen würden? — Falls Sie die letzte Frage mit Ja beantworten würden, haben Sie sich qualifiziert für die nächste

Zusatzfrage:
Als ich in der Einleitung der letzten Zusatzfrage von den vielen Wasserkochern, Heizungen und Herden geschrieben habe, haben Sie geglaubt, es ginge hierbei nicht ausschließlich um Wasserkocher, Hei-
zungen und Herde?

Es ist schon komisch, wir befinden uns vor so kom-
plexen Problemen, und je komplexer sie erscheinen, desto mehr verlassen wir uns auf die Anderen. Die werden das schon lösen. Uns kommen dafür solche Begründungen in den Sinn, die wir aus unserer per-
sönlichen Entwicklungsgeschichte ableiten. —
Persönlich blicken wir auf einen Erfahrungsschatz zurück, der ungeheuer wertvoll ist bei unseren Handlungen und Entscheidungen der Gegenwart. Wir erwarten deshalb von unseren Führern, dass auch sie alle persönlichen und wissenschaftlichen Erfahrungen und Erkenntnisse zusammen nehmen um etwas ungeheuer Richtiges in dieser Situation zu tun.

Blickt man aber auf die Geschichte zurück, so datiert die Epoche der Aufklärung ungefähr anderthalb Jahrhunderte vor Auschwitz. Dies soll nicht vom eigentlichen Thema dieses Textes ablenken sondern veranschaulichen: Wir dürfen nicht annehmen, dass bestimmte Erkenntnisse,
nur weil es sie irgendwo irgendwann einmal gegeben hat, automatisch zu entsprechenden Hand-
lungen führen. Einer der Gründe aber, warum unsere Nachkommen in 100 (wirklich erst 100?) Jahren das ausschwitzen dürfen, was wir an-
gerichtet haben, ist nicht die Faulheit, ist nicht der Egoismus, ist nicht das Unwissen. Es ist unser Zustand der Vereinzelung, der uns zu willfährigen Zombies macht, immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, dem nächsten Konsum. Wir sind wirklich Zombies, psychisch dazu manipuliert und deshalb zur Vereinzelung verdammt. Deshalb brau-
chen wir auch Heizungen, an die wir uns schmiegen können, die unsere Haut wärmen, während wir den öko-alternativen Tee trinken, der unser Inneres wärmt. Das Innere ist in diesem Fall nur mehr organisch. Wir sind zu Körpern geworden zu einem Zeitpunkt, an dem die Idee die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit nicht mehr laut geäußert werden kann, ohne belächelt zu werden – sie ist der Entwicklung und Entfaltung einer möglichst starken Konsumfähigkeit gewichen (Beispiel: Koma-Saufen). Daran ist zu erkennen, dass wir uns eben gerade nicht in einer Entwicklung befinden, die zu begrüßen ist. Was nützt uns der technologische Fortschritt oder der Konsum, wenn wir innerlich leer ausgehen. Was nützt uns ein Riesenjumbo, der uns dahinfliegt, wo wir lieber
sein wollen, um uns am Ende nur dorthin zurückzu-
bringen, was uns wie ein kaltes Gefängnis er-
scheint?

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit für Sie herauszufinden, ob Sie ein hoffnungsloser Zombie sind, oder ob Sie noch einmal umkehren können
und von neuem beginnen. Der Begriff für dieses Experiment ist Ihnen bestimmt bekannt: es ist die Güterabwägung. Mit dem winzigen Zusatz, dass Güter auch Freunde und Partner sein können.

Das Experiment beginnt und Sie bestimmen auf Grund des inneren Versuchsaufbaus, wie lange es dauert. Das Experiment setzt sich nämlich nur aus einer Frage und Ihrer Antwort zusammen. Und es hängt deshalb von Ihnen persönlich ab, wie lange es dauert. Beantworten Sie im Laufe Ihres Gedanken-
ganges einen einzigen Punkt mit Ja, haben Sie verloren. Sie gehören dann zu den unheilbar kran-
ken Zombies. In diesem Fall sollten Sie dringend einen Psychologen aufsuchen (– oder, falls das Geld dazu fehlt, weiter Sinngabe lesen … )

Die Frage:
Wenn Sie sich zwischen Ihrem Beziehungspartner (beziehungsweise Ihren Freunden) und den Er-
rungenschaften der Zivilisation entscheiden müss-
ten – wofür würden Sie sich dann entscheiden?
Und damit es nicht um Toilettenpapier geht, dessen Herstellung und Transport natürlich auch CO2 verschlingt, soll es nur um die Errungenschaften gehen, die CO2 nur bei der Benutzung (direkt oder indirekt) ausstoßen (Beispiel E-Herd für indirekt: CO2 wird hier indirekt verbraucht: Der Strom selbst führt kein CO2 mit sich – bei der Stromproduktion in einem Kohlekraftwerk wird es aber theoretisch fast gleichzeitig freigesetzt. Bei einem Atomkraft-
werk beim Bau eines Atomkraftwerks).

Und nur, um ein paar Zähne zu ziehen, gebe ich hier ein paar Beispiele für Errungenschaften: das Auto, das Flugzeug, die Eisenbahn, der Bus, das motori-
sierte Schiff, der Computer (Ade z.B. sinngabe.de) und seine Peripherie, alles Batterie Betriebene (Ade z.B. Rasierer, Videokamera, Fotoapparate, Handy usw.).

Wie Sie sehen, ist es mit unseren Ansichten schier unvereinbar, auf all diese Dinge zu verzichten. Aber Sie gehören doch dazu? Zu jenen Verrückten, die in einem schlichten Gedankenspiel bei dem man nicht gewinnen oder verlieren kann, außer der Erkennt-
nis, dass man ein degeneriertes Schwein ist, doch
so waghalsig waren und sich für das kategorische Nein und damit dem Ja für Freunde und Bezieh-
ungspartner entschieden haben? Meinen herzlichen sinngebenden Glückwunsch! Denn tatsächlich ist es so, dass wir ein Problem haben, wenn wir unser System von Freundschaften und Beziehungen weiter fassen und die altbekannte Redensart »Der Freund meines Freundes ist auch mein Freund« gelten lassen. Denn gerade weil diese Redensart richtig ist, entscheiden wir uns gegen einen großen Teil der Menschheit, wenn wir uns für den CO2- Ausstoß und gegen unsere Freunde entscheiden. Wenn uns also die Materie der Dinge wichtiger erscheint, als, sagen wir ruhig: Materie der menschlichen Verhältnisse, um den abgelutschten und meistens irreführenden Begriff des Imma-
teriellen zu vermeiden (denn die menschlichen Ver-
hältnisse scheinen doch auf irgendeine unheimliche Weise nicht völlig losgelöst zu sein von Materie, zumindest werden unsere Empfindungen von Im-
materiellem so stark gesteuert, dass sie für uns die vermeintliche(?) Konsistenz von Materiellem gewinnen. Das Fragezeichen deutet auf die Frage hin, dass in Wahrheit eine menschliche Umkehrung der Begriffe Materie und Immaterie vorgenommen worden ist. Diese Umkehrung weist übrigens auf das Paradoxon zwischen der bewusst angenommen menschlichen Existenz auf Erden und der meist in Form von Religion auf Überwindung dieser Existenz angelegten unbewussten bereits faktisch existenten Geistigkeit hin).

Übrigens: einer unserer stärksten Triebe, der Sexualtrieb, erweist sich im Alltag oftmals als katastrophal. Er wirkt sich auf unser Leben und unsere Entscheidungen in einem Maße aus, das für uns manchmal sogar extrem schädlich sein kann. Dieser Trieb hat letztlich aber seinen Grund nur in der Fortpflanzung. Wir leben mit diesem Trieb, wir richten uns sogar nach ihm aus – und trotzdem sind wir nicht in der Lage auch nur einen Meter weiter zu denken: Wir müssen aus reinem Eigeninteresse unsere Eigeninteressen in den Hintergrund stellen und besser mit unserer Umwelt umgehen, wenn unsere Kinder (auf die wir unser Leben ausrichten – wenn wir uns auf unseren Sexualtrieb ausrichten) eine Chance zum Überleben haben sollen.

Buchtipp zur Klimakatastrophe:

 

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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