Die Ironie | Kapitelübersicht
Die Ironie ist etwas Komisches. Und von Kindern unter acht Jahren wird sie zumeist gar nicht verstanden. — Doch warum gibt es sie eigentlich?

Sie ist ein Mittel zur Kritik in deren diploma-
tischster Form. Sie zeigt an, dass es für den Sprecher etwas gibt, das geklärt werden muss.

Sie ist aber auch ein populäres Mittel der Komik. Und wenn sie dabei politische Inhalte hat, spricht man von einer Persiflage. Wenn sie gesellschaft-
liche Inhalte hat, von einer Satire.

Da der Zynismus in all seiner Härte bislang noch nicht zum Lachen taugt – Gott sei Dank –, bedienen sich Zyniker häufig der Ironie. Der Unterschied zum ursprünglichen Gebrauch ist die Weltanschauung und die Nichtauflösung in einem befreienden Lachen. Weltanschaulich bleibt der Zyniker Pessimist. Und die schauspielerisch vorgetragene Ironie wird von ihm nicht zu einem Lachen gelenkt. Dieses Schauspiel ist feige, soll den eigentlichen Zynismus halbherzig verbergen – in der Hoffnung Gleichgesinnte zu finden, geschieht das Verbergen gerade deshalb halbherzig: absichtlich und offenkundig lenkt der Zyniker nicht zum Lachen, seine Aussage schwebt am Ende willentlich irritierend –, und dieses steht für seine Gefallsucht innerhalb einer Gruppe, die dem Zynismus seiner Schätzung nach noch nicht mehrheitlich anheim gefallen ist, die aber für ihn vorbereitet werden soll. — Denn darüber hinaus wird das Potenzial der echten Ironie vergiftet und eben dadurch das Mittel der Ironie unbrauchbar gemacht. Ein Lachen kann die Welt verflüssigen; ein ausbleibendes Lachen kann sie zum Stocken bringen (vergleiche Das strömende Flüssige).

Der wie oben beschriebene feige Zyniker sollte entlarvt werden. Er stiftet Unheil an, in dem er das ursprünglich probate Mittel zur eleganten Veränderung von Verhältnissen verschweinert.

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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