Die Intrige | Kapitelübersicht
Bei einer Intrige missbraucht das Böse die Verhaltensmuster des Guten, indem es sie kopiert.

Allein, die Intrige bleibt das, was sie ist: eine seelenlose Kopie eines Verhaltensmusters und damit unecht.

Unecht bedeutet aber auch: falsch.

Und das wiederum bedeutet, dass es für uns sehr schwer ist, eine Intrige zu erkennen. Denn wir gehen mit unseren Menschen oft ebenso falsch um, wie sie mit uns oder anderen umgehen. Wir sind also daran gewöhnt, Falsches als Teil der Wirklichkeit anzusehen. Und die Wirklichkeit ist echt. Dies ist ein Widerspruch. Da dieser Widerspruch aber nicht zur Eliminierung einer Seite führt, nennen wir diesen Widerspruch eine Dichotomie: Die Wirklichkeit ist echt, besteht aber zu einem Teil aus Verfälschungen, und hört aber trotzdem nicht damit auf zu existieren.

An diesem dichotomischen Widerspruch kranken viele.

Wir können nicht erreichen, dass sich die anderen ändern. Wir können nicht verhindern, dass sie Intrigen gegen uns spinnen. Aber wir können das Eine erreichen: dass, wenn wir Opfer einer Intrige werden, wir wenigstens als Ehrliche von Falschen in die Pfanne gehauen werden. Denn es wäre viel schlimmer, als eine Kopie in die Pfanne gehauen zu werden. Denn dann müssten wir uns fragen, ob wir nicht dort gelandet wären, wenn wir offen und ehrlich, und das heißt manchmal: hart mit den Anderen umgegangen wären.

Man kann die Gebeutelten, die sich in unfreiwilligen Situationen verstellen, übrigens erkennen: Es sind die, die Fremde unnötig auf der Straße anmachen, wegen irgendeiner pisseligen Ordnungsregel. — Denn der Frust über ihre Selbstverleugnung, die sie vor kurzem begingen, versucht in ihrem Innern Ordnung in die verloren gegangene Identität zu bringen. Hierbei wird die gesamte Person empfindlich gegenüber jeder Unordnung.

EINBAHNSTRASSE !!!

FALSCHE STRASSENSEITE !!!

ABSTEIGEN !!!

Intrigen sind extrem zerstörerisch. Sie zerstören den Intriganten ebenso wie den Intrigierten, ebenso wie die gute Stimmung in ihrem Umfeld. Alle sind Opfer, nur der Intrigant merkt es nicht, dass er selbst auch Opfer ist. Das Opfer ist seine Identität, die immer nur zu einem Teil aus dem eigenen Identifizieren seiner selbst resultiert, und zum anderen die Identifizierung durch andere braucht.

Wer sich aber falsch ausgibt, kann auch nur falsch identifiziert werden – die eine der beiden notwendigen Seiten der Identifizierung ist weggebrochen. Da sie aber notwendig für die gesamte Identifizierung der Identität ist, eine halbe Identifizierung aber nicht ausreicht, um die eigene Identität zu bestimmen, hat man keine eigene Identität mehr. Eine innere Verzweiflung beginnt; oft aber wohl unbewusst, was die schädlichen Konsequenzen für das Selbst nicht schmälert.

Intrigen entstehen dann, wenn unterschwellige Bedürfnisse nicht befriedigt werden können, die das Opfer der Intrige, der Intrigierte, jedoch natürlicherweise befriedigen kann oder zu können scheint. Dies führt zu Missgunst, Eifersucht oder Neid, welche zum Aushecken der Intrige führen.

Intrigen können töten.

Deshalb ist es extrem wichtig, in Zukunft Intrigen zu vermeiden. Wie das geht, scheint nach allem deutlich: Oberstes Ziel ist es, den Menschen, von frühester Kindheit an, Instrumente an die Hand zu geben, die die natürlichen Bedürfnisse sofort und ohne Umschweife in natürliche Bahnen zu lenken versuchen.

Dazu gehören so unterschiedliche Bedürfnisse wie sexuelle, expressive oder Lernbedürfnisse.

Wäre es zum Beispiel eine überlegenswerte Ahnung, wenn man annehmen würde, dass Kinderschänder keinen genetischen Defekt haben, sondern dass sie, in dem Stadium der Kindheit, aufkeimende sexuelle Bedürfnisse durch eine strafende prüde Erziehung aufstauen mussten? Und zwar zu einem Zeitpunkt, als es für die natürliche Entwicklung des Kindes gut und richtig gewesen wäre, erste unspektakuläre Petting-Erlebnisse zu haben? Vielleicht, so die Ahnung, hat sich in dem Zeitraum etwas verkapselt, das aufgrund seiner Intensität jedoch später immer wieder und zuallererst angesprochen wird, wenn sich ein sexuelles Bedürfnis regt. Nach dieser Ahnung wäre es so, dass die natürliche sexuelle Leiter nur Sprosse für Sprosse erklommen werden kann und sich auf diese Weise die individuellen Muster des Sexualverhaltens beim Menschen ausprägen. Wird aber bei der Erklimmung der Leiter eine Sprosse verboten, können die anderen Sprossen unter Umständen nicht erreicht werden. Die Fixierung auf die eine verbotene Sprosse verhindert die Ausprägung einer normalen Sexualität.

So dass dann später der Kinderschänder zur Intrige greift, um sich Zugang zu den Kindern zu verschaffen.

Wenn die Gesellschaft und insbesondere Eltern und solche, die es werden wollen, die Wahrscheinlichkeit mindern wollen, dass ihre Urenkelkinder missbraucht werden, muss sofort mit einer Erziehungspolitik begonnen werden, die einen offenen Umgang mit den Formen kindlicher Sexualität pflegt. Unsicherheit ist nicht notwendig, die Forschung kann und muss hinzugezogen werden.

Wer von Beginn an seine Sexualität respektvoll lernt, wird jede Sprosse der Leiter erklimmen können.

Wer hingegen Bedürfnisse nicht lernt zu befriedigen, also depriviert ist, wird Intrigen spinnen müssen, um entweder seine Bedürfnisse doch befrieden zu können oder anderen, die dies auf natürliche Weise gelernt haben und ausüben, zu schaden – aus Ärger über die eigene Unfähigkeit.

Deprivation ist die größte Unbekannte der Gesellschaft und gleichzeitig ist sie nicht nur eigenständiges Unglück, sondern sie zieht zusätzlich sehr viel Unglück nach sich.

 

Zum Anfang | Kapitelübersicht

Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

Alle Texte können in Auszügen nach dem Zitatrecht verwendet werden.
Bitte als Quellenangabe die entsprechende Adresszeile im Browser verwenden.