Die Instrumentalisierung des Holocaust im Eigeninteresse einer selbsternannten moralischen Hoheit – bewusst ohne einen hilfreichen Kommentar aus der seelischen Krise heraus – oder die neue Erbsünde als weiteres Instrument zur Gängelung des Volkes | Kapitelübersicht

„Schwierig fand ich die Szene am See, in der Sven Ania fragt, wie es ist, in Auschwitz zu leben. Das durfte auf keinen Fall didaktisch rüber kommen.“* ALEXANDER FEHLING über seine Rolle als Sven in „Am Ende kommen Touristen“

In einer säkularisierten Welt braucht es eine neue, geißelnde Erbsünde. Denn der aufrechte Gang wurde nie gelernt, immer gab es schlimme Lasten zu tragen. Nun hätten wir alles, Recht und Ordnung, aber wir würden lächerlich aussehen, so gebückt wie wir gehen, wenn wir keine Last auf unserem Rücken hätten. Jahrhunderte und sogar Jahrtausende lang haben wir uns daran gewöhnt, diese Lasten sogar in unser Alltags-Zentrum gestellt. Und eine selbsternannte Hoheit hat uns großzügig Gängelwagen zur Verfügung gestellt, die uns stützten und leiteten auf dem richtigen Pfad der Tugenden. Alles Feind!

Ausländerfeindlichkeit hat viele Gesichter und Ursachen. In Deutschland ist wohl die allgemeinste die folgende unterbewusste, dass nämlich Ausländer als Gastarbeiter einen wirtschaftlichen Vorteil aus unserer Erbsünde gezogen haben: Sie ersetzten die Gefallenen und die Ermordeten, die für Hitler in den Krieg gezogen waren oder durch Hitlers Auftrag umgebracht wurden. Die lieben Angehörigen sind für etwas sehr Schändliches gestorben, sie sind betrogen und manipuliert worden und letztlich von Hitler verraten worden, dem sie sich so sehr anvertraut hatten. Eine große seelische Unordnung ist bis Heute die Folge. Und diese Unordnung verhindert bei einigen den klaren Blick auf die Tatsache, dass Deutschland ohne die Gastarbeiter lange nicht so wohlhabend geworden wäre. Nehmen wir nur die Krankenkassen, deren Prinzip darauf beruht ein Leben lang einzuzahlen um im Notfall beizustehen: Die Gastarbeiter kamen manchmal nur mit Jahresverträgen, zahlten aber voll in die Krankenkassen ein. Von ihrer eigentlichen Arbeitsleistung ganz zu schweigen, die zu dem Zeitpunkt unersetzlich und wertvoll war. Wir Deutsche sollten uns von dem Begriff des Ausnutzens entfernen. Das Ausnutzen ohne Dankbarkeit macht uns hässlich. Und die Dankbarkeit im Falle der Gastarbeiter sollte darin liegen, dass den hier Gebliebenen mit Respekt, Freundlichkeit, Anerkennung und Dankbarkeit begegnet wird.

* Aus dem X-Verleih Presseheft von Am Ende kommen Touristen. D 2007. 23|5 Filmproduktion in Koproduktion mit ZDF Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit Pictorion Pictures

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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