Die Gerechtigkeit | Kapitelübersicht
Jeder hat ein unbewusstes Gerechtigkeitsempfin- den. Dieses Gerechtigkeitsempfinden wird früher oder später zur Entmachtung der jeweils herrschen- den Klasse führen.

Und zwar deshalb, weil die Natur es im Menschen verankert hat, sich zu bereichern, wo er nur kann und sich und seine Nächsten zu bevorteilen. Und weil es eine logische Folge ist, werden die Beherr- schten dadurch benachteiligt. Deshalb wird die Na- tur immer wieder zur Bevorteilung, Benachteiligung und Entmachtung führen. — Zur Entmachtung? Ja, schon, es sei denn, die Masse wird so dumm und bei Laune gehalten, dass sie, wenn überhaupt, die Un- gerechtigkeit als von der Natur gegeben ansieht. Kenner dieses Zustandes sprechen von Brot und Spielen, mit denen die Masse bei Laune gehalten wird.

Das Dumme ist nur, dass die letzte These schon älter ist als die 1980er Jahre. Mit ihren Serien Dallas, Denver Clan und Miami Vice haben sie da- rauf aufmerksam gemacht, wie armselig doch Brot und Spiele sind, wenn es um das große Geld, Dro- gen und schnelle Autos geht. Die Masse ist nun sensibilisiert für die Tatsache, dass es sehr reiche Menschen gibt, die die gleichen banalen Probleme haben wie sie – wenn auch unter anderen äußeren Rahmenbedingungen. Der Schleier ist zerrissen, zumindest was die Neureichen betrifft. Der Adel scheint die letzte Bastion zu bilden, die noch nicht geknackt wurde. Daran hat auch »Das Erbe der Guldenburgs«, nicht zuletzt wegen der prominenten Besetzung – denn deshalb als Schauspiel durch- schaut –, nicht viel ändern können.

Das Wesen der Anbiederung ist der Schlüssel zum Verständnis der Politiker, die zwar als Menschen auch Sozialwesen sind, mit ihren Entscheidungen aber deutlich machen, in welchen sozialen Gruppen sie anerkannt sein wollen. Die Menschen, die zur Kasse gebeten werden, können sich sicher sein, dass sie nicht zu jenen Gruppen gehören. Armes Deutschland. Du bist selbst mit Hartz IV noch so satt, dass du dich herumführen lässt wie ein Affe im Käfig. Und am Abend dann schließen die Herr- schenden den Käfig von außen ab und freuen sich ihres Lebens. Der schnöde Mammon ist am Ende doch gar nicht so schnöde, stimmt’s?

Dabei wäre der Weg aus dem Käfig so einfach (siehe den Film »Matrix«,* 68. Minute, 23. Sekun- de):

»Versuch nicht den Löffel zu verbiegen, das ist nämlich nicht möglich. Versuch dir stattdessen ein- fach die Wahrheit vorzustellen … « — »Welche Wahrheit …?« — »Den Löffel gibt es nicht.« — »Den Löffel gibt es nicht?« — »Dann wirst du sehen, dass nicht der Löffel sich biegt sondern du selbst … «

 

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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