Die Frustration | Kapitelübersicht
Die Angst ist die Geißel der Menschheit, der Zynis- mus ist die Rasierklinge. Und um eine bedeutungs- schwangere Dreiheit zu bilden, schließe ich diese Linie mit der Frustration.

Die Angst ist eine evolutionäre Urmacht, der Zy- nismus ist eine intellektualistische Seuche. Wäh- rend die Angst eine Bauchangelegenheit ist, die sich im Kopf abspielt, und der Zynismus eine Kopfsache ist, die sich im Bauch abspielt, ist die Frustration im Bauch – und sie bleibt dort auch.

Frustration ist zu unterscheiden in interne und ex- terne Frustration. Wird uns von außen etwas zuteil, das uns frustriert, fühlen wir uns schlecht behandelt. Die schlechte Behandlung kann sich auch passiv offenbaren: in Entzug oder in keiner Behandlung. In einer fehlenden Behandlung, die wir uns aber wün- schen. Wir bekommen also etwas nicht, das wir gerne wollten, oder wir bekommen etwas, das wir nicht wollten.

Die interne Frustration funktioniert genauso, allerdings fehlt hier das Zuteilwerden von außen. Die Denkrichtung wird von einem persönlichen Wunsch bestimmt: Wir wünschen uns dann also etwas, das wir nicht bekommen können, oder wir wollen etwas nicht sein, das wir aber sind. Oder aber wir wollen etwas sein, das wir nicht sind.

Interne und externe Frustration sind sich also ziem- lich ähnlich. Mit dem Unterschied, dass unser Maß ein anderes ist, wenn wir die jeweilige Frustration empfinden. Das eine Mal sind scheinbar die ande- ren Schuld, das andere Mal scheinen wir selbst verantwortlich zu sein. Die Wahrheit liegt aber wie so oft in der Mitte. Die Wahrheit ist dilemmatisch. Und deshalb ist Frustration auch so zwecklos. Geben wir uns ihr nicht hin, dafür sollten wir uns
zu schade sein.

Und nur, um uns die Gestalt der Frustration genau vor Augen zu führen, damit wie sie das nächste Mal erkennen, gibt es nun noch eine kurze Einteilung: Grundsätzlich können wir den oben genannten Phä- nomenen der Frustration vier verschiedenen Ur- sachen zuordnen: der Deprivation oder dem Über- druss, dem Fehlverhalten anderer oder unserem eigenen Fehlverhalten.

Frustration ist eine Quelle der Zerstörung – deshalb ist sie so gefährlich. Und deshalb ist es so wichtig darauf hinzuwirken, dass es in Zukunft eine Trans- parenz der Beziehungen und der Begegnungen ge- ben wird. Denn oft führen Missverständnisse zu Frustrationen. Missverständnisse, die auf fehlende Transparenz der Handlungen, Worte und Blicke zurückzuführen sind. Wenn die Transparenz zu
einer Regel im alltäglichen Umgang werden könnte, könnten wir gemeinsam vieles aufdecken und uns auf diese Weise besser verstehen.

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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