Die Fehleinschätzung der Politik | Kapitelübersicht
Es ist so schwierig sich anständig zu verhalten, wenn es so schön ist … ¹

Chandler Bing

Die Politik befindet sich auf einem fatalen Hohlweg. Und normalerweise erscheint es auf den ersten Blick sinnvoll, sie nicht darauf hinzuweisen. Sinnvoll ist das dann, wenn man sich daran ergötzen will zuzusehen, wie sie irgendwann stürzt.

Das ist Fehler 1: Die Politik stürzt bereits. Dafür blind sind allerdings jene, denen es noch gut geht. — Sie sehen nicht, dass die Politik sich bereits
im freien Fall befindet? Dann gehören Sie zu den rechnerischen 92 Prozent, denen es noch gut geht.

Die Politik hat ihren Sinn und Zweck darin zu suchen, für die Menschen, und zwar für alle Men- schen, Sorge zu tragen. Jeder Politiker, der die-
se Tatsache verneint, ist es nicht Wert, Politiker genannt zu werden – er verdient stattdessen die Bezeichnung verabscheuungswürdiger Trittbrett- fahrer.

Al Gore hat in dem Film »Eine unbequeme Wahr- heit«* anschaulich geschildert, dass die Natur kollabiert – wegen der Menschen.² Die Lebens- grundlage wird den Menschen schon bald ent- zogen sein – von ihnen selbst. Bis dahin dauert es nicht mehr lange. Deshalb sollte jeder für seine eigenen Brötchen sorgen. Das System zu verändern wäre zwar edel, aber letztlich sehr anstrengend im Vergleich zu dem Nutzen, der nämlich nur von sehr kurzer Dauer wäre.

Das ist Fehler 2: Der archaische Mechanismus im Handeln der Menschen, der für die schwerwiegend fehlerhafte Politik verantwortlich ist, ist ebenso für die menschengemachte Klimaveränderung verant- wortlich. Wenn also in den Köpfen der Menschen dieser Mechanismus erkennbar wird, könnte nicht nur eine sinnvolle Politik betrieben werden, son- dern auch der Klimawandel gebremst werden.

Sollte die Politik diesen Gedanken bis hierhin gefolgt sein und nicht vollständig abgeneigt sein, wird vielleicht doch zumindest ein kritisches Gegenargument kommen: nämlich das der Sach- zwänge. Oh ja, ein sehr schwerwiegendes Argu- ment. Denn wir sind ja eingekesselt von den Folgen der Globalisierung, dem Terror, der Weltbank und unseren Feinden und Freunden im In- und Ausland. Wir können nicht einfach umverteilen. Wir können uns nicht einfach auf das Volk konzentrieren und dafür unsere Freunde im Stich lassen und unseren Feinden den Rücken zukehren. Sonst könnten wir von hinten erdolcht werden. Wäre nicht das erste Mal in der Geschichte.

Also Rückgrat haben sie jedenfalls. Diejenigen, die so reden. Und Integrität. Und das ist eigentlich schon sehr viel für einen Politiker. Vielleicht geht es ja auf diese Weise doch bald wieder bergauf … Und bis dahin? Können wir ja einfach noch etwas warten. Geduld zahlt sich ja bekanntlich aus. Was lange währt, wird endlich gut. Meistens.

Wem diese Strategie komisch vorkommt, kann sich bei Bedarf Erleichterung verschaffen über seine Intuition, in dem er sich das altbekannte Beispiel mit dem Frosch im langsam heißer werdenden Wasserglas zu Gemüte führt: Langsame Veränder- ungen führen eben nicht zu richtigen Reaktionen, sondern zu keiner. Und in den vorliegenden Fällen – dem Klimawandel der Erde und dem Klimawandel der Gesellschaft – zahlt sich Geduld eben nicht aus. Politiker, das Volk weint Blut. Was tut ihr wirklich dagegen?

Ein paar Fragen zum Schluss:

Werden wichtige politische Entscheidungen in kalten und/oder feuchten Räumen getroffen?

Werden wichtige politische Entscheidungen oder deren Wegbereitung mit leerem Magen getroffen?

Werden wichtige politische Entscheidungen unter Einbeziehung der Meinung des Volkes getroffen?

Leben Politiker, die wichtige politische Entschei- dungen treffen, in Armut?

Sind nur solche politische Entscheidungen wichtig zu nennen, die eben nicht das Volk betreffen?

Wenn Sie alle Fragen mit Nein beantworten würden: Wird die Ursache für Armut und Arbeits- losigkeit etwas verständlicher? Oder gehören
Sie doch eher zu jenen, die der Wirtschaft die Ver- antwortung zuschreiben? Dann ersetzen Sie bei
den Fragen einfach das Wort politische durch wirt- schaftliche. Auch wenn in diesem Fall den Wirt- schaftsbossen die Verantwortung zukommt, sollten wir dennoch nicht vergessen, dass es vor nicht allzu langer Zeit die Soziale Marktwirtschaft gegeben hat, die ja gerade ihre Aufgabe darin hatte, auf die Wirtschaft im Sinne des Volkes einzuwirken. So etwas vergisst man Heute natürlich leicht …

Und verdammt noch mal, kommen Sie mir nicht mit Inkompetenz: Politik hat nicht die Aufgabe, die darbende Masse (die es ja sowieso nicht gibt) in Schach zu halten. Mensch noch mal: Den eigenen Leuten muss man den Bauch füllen und den Kopf mit einer Perspektive versehen und nicht statt- dessen die Mäuler mit essigsauren Schwämmen stopfen. Wenn man aber lieber die 200 Silberlinge nimmt, an denen Schweiß und Blut der eigenen Landsleute klebt, dann sollte man sich schon mal einen Ast suchen, der nicht am Gewicht des argen Fettes bricht, das an ihm hängen wird.

¹ In: Friends, Staffel 8: Folge 13 – Der Kapitän der Badewanne; 17. min 30. sec

² Ein weiterer wichtiger und sehr gut ergänzender Film hierzu ist »5 vor 12« :

 

 

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