Die Entscheidung innerhalb der Bypass-Hypothese | Kapitelübersicht
Es kann viele Gründe für Unaufmerksamkeit, Konzentrationsschwäche und Lernversagen geben. Während Ärzte dieser Lage mit Medikamenten Herr werden, mag für Medikamenten-Abgeneigte ein anderer Weg hilfreich sein. Gelten muss hierbei die Annahme, dass die audiovisuellen Medien in ihrer künstlichen Zauberkugel-Attraktivität den Geist in ihren Bann gezogen haben. Hinaus kommt der Gebannte nur, indem ihm eine gegensätzlich ursprüngliche, attraktivere Möglichkeit zur Ausschweifung geboten wird. Diese Alternative steht für das essenziell Sein-Sollende.

Wir alle wollen eigentlich nur ein paar Dinge:

  • Liebe,
  • die Möglichkeit uns selbst auszudrücken,
  • Anerkennung durch unser nächstes soziale Umfeld, also durch Familie, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen.

Zu diesen geistigen Dingen kommen dann noch ein paar essenzielle materielle Dinge, die lebensnotwendig sind.

Wenn wir daraus eine Pyramide bauen, müssen wir darauf aufpassen, wie wir sie lesen. Kommt nämlich das Wichtigste, die Liebe, an die Spitze, heißt das nicht, dass die Liebe das I-Tüpfelchen bilden sollte, sondern dass sie das Vordringlichste ist. Wir müssen uns erst um die Liebe kümmern, dann erst sind wir vollständig, um nach einer Möglichkeit zu suchen uns vollständig auszudrücken.

Idealerweise sollte ebendieses Streben zu Anerkennung führen, zu Arbeit und Beruf, und damit schließlich zu der Möglichkeit, sich die lebensnotwendigen materiellen Dinge leisten zu können. Bis dahin sollten diese Dinge von der Familie und dem Staat bereitgestellt werden.

Was machen wir aber nun, wenn wir den falschen Weg einschlugen? Sind wir dazu verdammt, dieses Leben verwirkt zu haben? Nein, natürlich nicht. Wir wären keine geistigen Wesen, wenn wir nicht anhand unserer Spiritualität viele kleine Bypässe um die verstopften Kanäle schlagen könnten, die für den oben beschriebenen Weg von unserer geistigen Natur angedacht waren.

Dabei geht es aber gar nicht um die Abkehr von altbekannten Übeln. Denn da sie uns geprägt haben, hieße eine solche Abkehr die Abwendung von uns selbst. Nein, es geht vielmehr um die Erschaffung eines dualen Systems, dass uns Schlupflöcher erlaubt um unser geplättetes Sein aufzuschütteln wie ein festgelegenes Kissen. Wir brauchen spirituelle Luft zum Atmen, denn der ganze Müll, den wir durch einen bedenklichen Teil der Medien aufnehmen, hat uns verwirrt. Wir haben kein Filtersystem für die schwachköpfigen Inhalte – und deshalb schwächen sie unsere Köpfe. Wir werden unaufmerksam, konzentrationsschwach und lernmüde gemacht.

Die Reflexion über diesen Missstand öffnet den Kanal für einen Bypass. Die Erfahrung von eigentlich gewünschten, bislang verdrängten Erlebnissen, schlägt den Kanal frei. Die dabei eventuell noch empfundene Unsicherheit wird von dem dumpfen Pochen erzeugt, dass wir im Bypass-Kanal von der Seite hören. Es ist unser geistiges Blut, das an die verstopfte Stelle unseres Systems aufschlägt, um die wir diesen Bypass legen.

Lassen wir uns nicht davon stören.

Auch nicht jetzt, da das Pochen lauter wird, denn wir sind nun dicht hinter dem Pfropfen angelangt mit unserem Kanal. Wie mit einer Raumkapsel docken wir an dem dahinter liegenden, bis zum jetzigen Zeitpunkt toten Teil der Leitung an. Einen Moment lang ist alles still, die Zeit scheint eingefroren zu sein. Dann machen wir einen Kopfsprung durch die Membran, die weich und leicht wie ein Schleier ist, und öffnen mit diesem Sprung die Leitung wieder. Der Strom fließt, fließt durch Dich hindurch.

Und plötzlich bist Du selbst dieser Strom. Alles strömt nun durch Dich hindurch und Dir wird klar: Du brauchst nun mehr weder Adern noch Bypässe, sondern einzig und allein dieses Gefühl des strömenden Seins …

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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