Die Beherrschung der Spielregeln | Kapitelübersicht
Es gibt eine falsche und gemeine Art uns zu verunsichern und zu bremsen. Und das ist die Verwendung des flügellahmen Wortes, wir müssten die Spielregeln beherrschen. Ob dieser Hinweis richtig oder falsch ist, entscheidet Ihr Sicherheitsbedürfnis. Denn so, wie bei einem Gesellschaftsspiel nach den Regeln gespielt wird, gibt es auch in unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft Spielregeln, die befolgt werden müssen, wenn Erfolge erzielt werden wollen.

Die Spielregeln definieren dabei neben dem Weg zum Erfolg auch, was überhaupt Erfolg ist. Wer diese Regeln nicht befolgen will, bezahlt seinen Willen mit Misserfolgen. Es gibt also viele, die stromlinienförmig werden, sich auf Linie trimmen lassen. Die opportunistisch und konformistisch werden. Wollen Sie das für sich? Nein? Dann ziehen Sie sich warm an suchen Sie sich Freunde, die Ihre Ansichten teilen. Denn auf dem konventionellen Markt werden Sie große Schwierigkeiten haben. Der Status Quo geht von der Gesellschaft als breite Masse aus. Ein Trugschluss, der sich vielleicht nie rächen wird, jedenfalls wird der Zusammenhang zwischen dem Untergang der bestehenden Gesellschaft und dem Trugschluss nicht gesehen werden.

Übrigens wird der Untergang als Möglichkeit von den Spielregeln gar nicht erfasst. Das liegt daran, dass die Spielregeln nicht von einem neutralen Spiele-Erfinder sondern von den Spielegewinnern festgelegt wurden. Deshalb konzentrieren sich die Regeln auch auf das Gewinnen. Und da der Spielausgang für Gewinner nun mal der Gewinn ist, ist ihnen das Verlieren in all seiner Konsequenz auch unbekannt.

Doch bei dieser Überlegung fehlt etwas Entscheidendes: Der Gewinninhalt und die Produktion dieses Inhalts. Womit wir am Ende wieder bei der breiten Masse angelangt sind. Denn die Produktion des Gewinns, nämlich das Geld, basiert auf der verschwommenen Idee, es gäbe eine breite Masse. Diese Idee ist zwar falsch, doch solange diese ignorante Verwechslung von einer örtlich wie verhältnismäßig gruppierten Versammlung von Einzelschicksalen mit der breiten Masse anhält, solange besteht die Gefahr, dass jene Gruppe sich selbst tatsächlich für eine breite Masse hält oder sich zumindest wie eine solche verhält. Wird die Masse als bedeutungslos hingestellt, werden sich die Teile, aus denen sie sich zusammensetzt, ebenfalls bedeutungslos fühlen. Als Teile, die in einem verworrenen und für sie undurchschaubaren Spiel dazu verdammt sind, dessen Regeln blind zu befolgen.

Nun fragen Sie sich bestimmt, wie sich die vermeintliche breite Masse da heraushelfen kann. In Ihrer Frage liegt bereits die Antwort: sie muss aus dem Spiel austreten. Und ein eigenes Spiel erfinden. Mit einfachen Regeln, die jeder und jede versteht. Bei dem der Spielgewinn niedrig ist, aber immer noch den Einsatz rechtfertigt. Bei dem es gar nicht um den Gewinn geht, sondern um das Spielen selbst. Und darum, dass das wahre Glück den Augenblick überdauert, anstatt auf jenen egozentrischen Moment des Sieges abzuzielen, der in der Folgezeit nur trennt.

Wo es nicht um den Gewinn geht, kann es auch keine Verluste geben.

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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