Die Anregung oder der Fight Club | Kapitelübersicht
Wir sind immer auf der Suche nach Anregung, selbst wenn wir träumen. Die Anregung ist in vielerlei Hinsicht positiv und wirkt sich auf unsere Wahrnehmung aus, die wiederum umgekehrt zur Anregung führt oder bereits geführt hat.

Doch wie in anderen Lebensbereichen schleift sich die Anregung an ihrem Grund ab. Wir brauchen mit der Zeit heftigere Anregungen. Der Krimi, der Thriller oder gar der Horror-Film sind sicherlich die Gipfel dieser Entwicklung. Stimmt diese Theorie, so sind wir zumindest davon rehabilitiert, dass wir in einer Gesellschaft leben, die zu eigener Kriminalität neigt, weil der Mensch das betrachte, was er selbst tun oder sein wolle. Denn selbst wenn das grundsätzlich stimmen sollte, geschieht das Betrachten der (fiktiven) Kriminalität in erster Linie aus dem einfachen Bedürfnis nach Anregung heraus. Die Anregung ist immer zuerst da und wird als positiv wahrgenommen – erst dann überlegen wir uns, wie wir sie wiedererlangen können.

Es gibt allerdings einen speziellen sexuellen Zustand, den wir Erregung nennen und der quasi als archaischer Gipfel der Anregung angesehen werden kann. Es scheint also grundsätzlich zwei Gründe für das Bedürfnis nach Anregung zu geben. Und beide könnten evolutionsgeschichtliche Ursachen haben. Einerseits versetzt uns die Anregung in einen Zustand, der unsere Flucht- oder Angriffschancen begünstigt. Anderseits ist die Anregung eine direkte Einstiegsmöglichkeit in sexuelle Handlungen.

Inwieweit hängen nun Gewalttaten mit der fehlenden Möglichkeit zur liebenden Sexualität zusammen? — In einer Gesellschaft, in der nächtens auf einigen Kanälen menschen-
verachtende Aufforderungen zu Telefonsex ausgestrahlt werden, wird zudem der Modus zum Einstellen der Anregung pervertiert. Dass es währenddessen immer perversere Gewalttaten gibt, scheint dabei nur ein Zufall zu sein.

Wie schön, dass David Fincher 1999 eine Satire hierzu geschaffen hat, die – wenn man sie wie ein Negativ zum intendiert gewünschten Positiv betrachtet – einen ebenso gnadenlosen wie brillanten Abgesang auf die Tragfähigkeit zeitgenössischer Gesellschaftsformen darstellt.

Doppel-DVD, Kinowelt Home Entertainment 2007.

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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