Die Angst | Zur Kapitelübersicht Die Angst ist die Geißel der Menschheit. Aber leider in einem viel profunderen und paradoxer- weise trivialeren Maße, als angenommen werden könnte. Die Angst in der Dunkelheit ist eine Angst, die aus dem Inneren kommt und für die das Innere verantwortlich ist. Aber diese Angst hat eine ar- chaische Schutzfunktion. Denkbar ist, dass einige unserer Vorfahren keine Angst hatten und sich deshalb in tödliche Gefahr brachten. Deshalb über- lebten auch nicht viele von ihnen und konnten sich dementsprechend nicht fortpflanzen. Diese Angst ist also eine ureigene, letztlich lebensfreundliche Angst.

Die Angst der Reichen, arm zu sein, ist eine ande- re. Diese Angst wird von einem sehr mächtigen Schweinehund regiert. Dieser Schweinehund sagt seinem Herrchen: »Es ist dein Reichtum, du hast ihn dir verdient! Wenn andere an deiner Stelle wären, würden sie nicht anders handeln. Und sieh doch, welch angenehme Seiten dir dein Reichtum beschert. Willst du wirklich riskieren, dass du dich wieder abmühen musst? Für was? Welchen Sinn hätte das? Nein, erfreue dich lieber deines Lebens! Es ist ein Geschenk! Und dieses Privileg solltest
du nutzen, so wie jeder andere es auch nutzen
würde … !«.

Haben Sie eine Vermutung, warum die Superrei- chen superreich bleiben, anstatt den Ärmsten der Armen etwas abzugeben? Ja genau, Sie liegen richtig: es ist die Angst. Aber deswegen dürfen wir die Superreichen nicht verurteilen und sagen:
»Ihr seid Schuld an dem Elend dieser Welt!«.
Denn wenn wir ehrlich sind: wir sind doch viel zu sehr an den Luxus gewöhnt, den wir für eine Selbst- verständlichkeit halten. Sie glauben mir nicht.
Nun, vergleichen Sie sich mal mit demjenigen, der seinen Tag damit verbringt, Wasser zu holen. Einfach nur Wasser. Sein Weg durch die Savanne ist mühsam und beschwerlich. Und er nimmt ihn auf sich, nur um Wasser zu holen. – Was machen Sie, wenn Sie Durst haben? — Und das war nur ein Bei- spiel. Ein Beispiel, frei von Ekel …

Wir müssen zusammenkommen. Wir müssen.
Oder wir sind verloren. Lass die Superreichen superreich bleiben – wir brauchen sie nicht.
Wir brauchen einzig und allein das Bewusstsein, dass wir zusammengehören. Die Reichen müs-
sen Angst davor haben arm zu werden. Wir
müssen uns nur davor fürchten zu vergessen,
dass wir zusammengehören. Wir Menschen.

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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