Der Tod | Kapitelübersicht
In diesen Tagen, in denen Papst Johannes Paul II. gestorben ist, gewinnt das Thema Tod an Bedeu- tung.
Der Tod des katholischen Kirchenoberhauptes zeigt die Unbeholfenheit mancher Medien bei der Berichterstattung. So wird sehr deutlich, dass der Tod wohl eines der letzten Tabus ist, an denen nie- mand zu rütteln wagt. Dabei gibt es einen Grund
für die Hoffnung auf einen Himmel: der Hoffnungs- losigkeit zu entrinnen …

Dass die Religionen insbesondere für die Antwort auf die Frage nach dem Sinn von Leben und Tod zuständig sind – wer würde es bejahen, wer vernei- nen, wer sich seiner Stimme enthalten? – Denn selbstverständlich geben die Religionen vorder- gründig vor allem Handlungsrichtlinien vor. Und Handeln lenkt uns meistens von der Tatsache ab, dass unsere Lebenszeit abläuft. Mit jeder Sekunde. Es ist also vielmehr so, dass die Religionen eher beiläufig Erklärungen für den Tod geben. Die Kon- zentration liegt auf dem Leben.

Auch ich weiß nicht, was passieren wird, wenn wir sterben. Aber: An einen Himmel mit Harfen und Engelschören glaube ich nicht. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Ich möchte in den Himmel, aber Harfen und Engelschöre finde ich kitschig – das wäre kein Himmel für mich.

Letztlich bleibt mir nichts anderes übrig, als Filme wie z.B. »Matrix«, mit Keanu Reeves, oder »Hin- ter dem Horizont«, mit Robin Williams, zu sehen und daraus meine eigene Vorstellung von Leben und Tod zu konstruieren.

Das Leben ist ein Übergang. Es ist eine Ausbildung und gleichzeitig schon die Prüfung. Das Prüfungs- ergebnis gibt es dann beim Start in den Himmel – oder in die Hölle. In jedem Fall gilt: die hier auf Er- den erworbenen Fähigkeiten haben in der neuen Welt eine Entsprechung.

Wer hat das Leben erschaffen? Wer den Tod? Das sind Fragen, die nicht zu beantworten sind. Ich er- kläre mir das so: Eigentlich sind wir alle geistige Wesen oder Teil eines geistigen Bewusstseins. Da wir alles können, alles wissen und ewig leben, haben wir uns Spiele ausgedacht, um uns die Zeit zu ver- treiben. Eines dieser Spiele heißt »Leben«. Das Besondere an diesem Spiel ist, dass wir für die Zeit des Spiels vergessen, wer wir eigentlich sind, dass wir alles wissen und ewig leben. Was vielleicht zu- nächst absurd erscheint, macht Sinn: Denn wer alles hat, alles kann, alles weiß – für den ist seine Existenz langweilig. Die Beschränkung beim Spiel »Leben« auf wenige Dimensionen ist Teil des Reiz- vollen und besonders die Dimension der Zeit erhält einen fast schon unerträglichen Thrill: die Endlich- keit! Darüber hinaus besticht dieses Spiel durch ei- nen besonderen Clou: Durch die sexuelle Vermeh- rung entstehen neue geistige Wesen, die sich fort- während weiter fortpflanzen – neue Generationen von Geistern entstehen, die von den alten Geistern begleitet werden. Die Paarung, die in der rein geis- tigen Welt keinen Sinn macht, weil es dort um Er- gänzung, nicht um Fortpflanzung geht, ist der ei- gentliche Reiz an diesem Spiel. Weil neue Geister erschaffen werden, über die keine Vorhersagen getroffen werden können – dafür ist das Spielsys- tem zu komplex und hat zu viele chaotische Vari- ablen …

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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