Der Terror | Kapitelübersicht
Der Terror ist ein Krieg, der nicht von Staaten, sondern von Gruppen geführt wird. Terror ver- breitet Angst und Schrecken und wenn man Angst hat, nimmt man einiges in Kauf, nur um von der Angst befreit zu werden: Eingriffe in bestimmte Rechte, Überwachungskameras und so weiter. Wenn der Staat die Bürger stärker kontrollieren möchte, braucht er also nur ein paar als Terrorakte getarnte Anschläge auszuführen um die Gesell- schaft gefügig zu machen, was Rechtskürzungen und Überwachung betrifft.

Gehen wir aber davon aus, dass es keine getarnten Anschläge sind. Gehen wir davon aus, dass es wirk- lich einige Untermenschen gibt, die Terroranschlä- ge verüben. Glauben Sie wirklich, dass Überwach- ung und Kontrolle verhindern könnten, dass es immer wieder Menschen gibt, die für eine gerechte Sache sterben würden und dafür Mittel und Wege finden? Wobei »gerecht« nicht meint, dass sie ob- jektiv gerecht sind. Nur eben subjektiv, aus den Au- gen des Terroristen.

Blicken wir auf die DDR und ihren Überwachungs- apparat, so ist dies ein Beispiel dafür, dass eher solch ein Staat untergeht, als dass er Erfolg hat mit seinen Kontrollversuchen. — Was also kann ge- gen den Terrorismus unternommen werden, das wirklich hilft?

Terrorismus hat zwei mögliche Ursachen: Entweder entsteht er aus einer Geisteskrankheit heraus, oder aus Unzufriedenheit. Oder glauben Sie, dass ein zufriedener Mensch darauf kommt, Terrorist zu werden? Welche Motive hätte er dann? — Wenn man also den Terrorismus wirkungsvoll bekämpfen will, gibt es nur eine einzige, langfristig wirkende Strategie: Man muss die Unzufriedenheit bekämpf- en. Jeder Euro, der in Überwachungskameras, Monitore und Monitor-Betrachter fließt, ist ein Euro, der sinnvoller hätte ausgegeben werden können.

Wir werden das Problem des Terrorismus niemals nie in den Griff bekommen. Wir werden es nie, nie und nie in den Griff bekommen, wenn wir nicht endlich die coole Sonnenbrille abnehmen, die uns
in der Dunkelheit sowieso die ganze Zeit daran hindert, klar zu sehen. Und dann werden wir sehen, dass wir deutsche Soldaten in Deutschland brau- chen – aber nur für den Ernstfall der Verteidigung. — Wir werden sehen, dass das beliebte Spiel der Mächte, nämlich globalen Sheriff im eigenen Inter- esse zu spielen, eine äußerst unsinnige und zudem teure Angelegenheit von zweifelhafter Moral, weil ethisch höchst fragwürdig, ist. Wir werden sehen, dass wir plötzlich über eine Menge Extra-Geld ver- fügen würden, wenn wir Militäreinsätze im Ausland streichen – nebst der Streichung der dafür erforder- lichen Hardware. — Diese Einsätze sind total kon- traproduktiv, was die Terrorismusbekämpfung be- trifft. Diese Einsätze bringen einzelne Menschen doch erst dazu, zu Terroristen zu werden oder Ter- rorgruppen beizutreten. Deshalb ist das Argument, wir müssten uns an Auslandseinsätzen beteiligen, um uns nicht selbst zu isolieren, so absurd. Gerade durch solch eine Isolation würden wir den Terroris- ten zeigen, dass wir die falsche Zielscheibe sind, da wir uns ja nicht an ihrer Bekämpfung beziehungs- weise der Bekämpfung ihrer Ideale beteiligen. Wol- len wir nun Sheriff spielen und anderen auf die Fin- ger hauen und dabei vergessen, dass die schmer- zenden Finger Bitterkeit und Hass erzeugen – beide sind für Terrorismus verantwortlich –, oder wollen wir die Parole herausgeben: »Ihr müsst im Moment selbst sehen, wie ihr euch versteht, so wie wir selbst darauf achten müssen, dass wir uns selbst versteh- en. Wir haben zurzeit einen Haufen Probleme in unserem eigenen Land und wollen unsere Anstreng- ungen darauf verwenden, dass wir nicht untergehen. Denn wenn wir untergehen, können wir euch gar nicht mehr helfen. Mit Diplomatie. Mit Förderung. Mit Freundschaft.«

Wenn wir das so gesparte Geld in Erziehung und Bildung stecken würden, hätten wir in 30 Jahren wieder eine Generation, von der Sendungs- und Verantwortungsbewusstsein, effektiver und gut gemeinter Aktionismus ausginge. Die Kräfte für
die Ausbildung sind vorhanden – und doch sind sie entweder Opfer der allgemeinen Lethargie und Hilflosigkeit und glauben deshalb nicht mehr an
ihre eigenen Ideale, oder sie werden für ihre lei- denschaftlichen Plädoyers als weltfremd oder ro- mantisch belächelt und nicht Ernst genommen.

Die Politik führt uns wie die Lämmer zur Schlacht- bank. Sie will an unser Fleisch, das für sie die Steu- ern sind. Und wenn dann intelligente, wenn auch geisteskranke oder unzufriedene Terroristen die- sen degenerierten Schlachtbankstaat betrachten, der dabei ist sich selbst aufzufressen, dann schre- cken sie nicht einen Moment mit ihrem Tod bring- enden Päckchen zurück um auf ihre Ziele hinzu- weisen — denn für sie sind nämlich wir die Unter- menschen, die der Würde, des Stolzes und jeden Kampfeswillens beraubt, wie Zombies durch unser Leben gehen: untot und versklavt. Und so dumm, dass wir es nicht merken.

Stehen wir endlich auf und zeigen ihnen, dass sie im Unrecht sind, was ihre Meinung über uns betrifft … Stehen wir auf! Wir brauchen keine Waffen, wir brauchen das, was die Wissens- und Informations- gesellschaft des 21. Jahrhunderts überhaupt erst möglich macht und bis jetzt von der Politik nur tor- pediert wird: den Bildungsstaat des dritten Jahr- tausends.

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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