Der Takt | Kapitelübersicht
Meistens sprechen wir von Taktlosigkeit – das Gegenteil, der Takt, ist nur selten Gesprächsstoff. Das hat zwei Gründe: erstens werden oft nur Fehler angemerkt. Das Richtige wird als gewolltes Optimum nur in der Schule oder bei Preisverleihungen und in den Medien herausgestellt.

Im normalen Alltag erscheint das Richtige jedoch wenig bemerkenswert. Das ist scheinbar ein Zeichen dafür, dass noch Vieles richtig verläuft.

Darüber hinaus muss betont werden, dass viele zwar eine Vorstellung vom Takt haben, weil ihr Taktgefühl normal ausgeprägt ist. Doch leider hat eine schleichende Zersetzung dessen stattgefunden, was als taktvoll angesehen wird. Das taktvolle Mitteilen braucht notwendig Takt. Nicht das taktlose Schweigen. Letzteres wird aber fast durchgängig – und fälschlicherweise – als taktvoll angesehen.

Denn Schweigen hat nichts mit Takt zu tun sondern mit dem Anzeigen, dass mir im Moment nichts einfällt, was ich sagen könnte. Das taktvolle Mitteilen hat hingegen etwas damit zu tun, dass ich etwas, das mir richtig erscheint, so sage, dass es den anderen nicht kränkt oder verletzt. Das taktvolle Mitteilen ist deshalb ein gezügeltes Sprechen mit jemandem, den ich mag und der in einer Notsituation ist. Ob es nun eine große Not oder kleinere Nöte sind: der Taktvolle wird sich der Situation angemessen zu zügeln wissen.

Gleichwohl verlangt es die Menschlichkeit, dass das taktvoll zu Sagende auch gesagt wird. So ist das Taktvolle nicht nur richtig sondern auch notwendig zu sagen.

Dabei ist Takt keine Kunst, sondern eine erlernbare Haltung, die durch eigene Erfahrung mit der Taktlosigkeit ebenso zu erlernen ist wie durch die eigene Erfahrung von Takt.

Der Takt ist in der Lage eine tiefe Verbundenheit anzuzeigen oder zu erschaffen. Deshalb ist er unbedingt zu erstreben – denn er ist zutiefst positiv menschlich …

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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