Der Neid | Kapitelübersicht
Wenn wir dem Neid ein Gesicht geben müssten, so wäre dieses Gesicht hässlich. Doch wer möchte sich davon lossprechen, schon einmal ein solches Ge- sicht gehabt zu haben. Die Frage ist: was charakte- risiert den Neid außer Hässlichkeit? – Die Antwort: Neid ist etwas, das uns positioniert. Und zwar dort positioniert, wo wir nicht sein möchten. Wir möchten viel lieber dorthin, wo unser Neid ist: bei einem (besseren) Arbeitsplatz, bei mehr Geld, bei guten Ideen, bei einer schöneren Wohnung, bei einem neuen Auto, bei Macht und so weiter.

Das Gute am Neid ist tatsächlich, dass er uns unsere Richtung zeigt. Nämlich die Richtung, in
die wir gerne gehen würden. Nun ist es aber so, dass manche Dinge unrealistisch sind, die wir
gerne haben möchten. Zum Beispiel wäre Neid
auf den reichsten Menschen der Welt unsin-
nig, weil es uns gar nicht möglich ist, so reich zu werden.
Und selbst wenn es möglich wäre: wollten wir wirklich der reichste Mensch der Welt sein?
Denn es entspricht nicht der Natur, nichts für
sein tägliches Brot tun zu müssen. Wenn aber et-
was gegen die Natur ist, dann ist es wider die
Natur beziehungsweise widernatürlich, also per- vers. Und wir wollen doch nicht wirklich pervers sein, oder?

Zurück zum Neid. Neid ist eine der sieben Todsün- den in der christlichen Lehre. Wenn uns trotzdem einmal diese Regung widerfährt, sollten wir uns da- rüber klar werden: Neid tut weh, er grämt uns und macht uns hässlich. Wir können uns schnell dem Neid entledigen, wenn wir uns über unser eigenes Haben erfreuen, unser Leben, unsere Individualität, unsere Erinnerungen an schöne Momente, die nur wir so erlebten, und unsere Möglichkeiten, die wir wahrnehmen können, wenn wir wollen.

Wir können uns schnell dem Neid entledigen, wenn wir unser Sein erkennen. Dieses Sein ist ein Ge- schenk. Was wir mit diesem Geschenk anfangen, liegt in unseren Händen.

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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