Der nächste Kick | Kapitelübersicht
Dieser Moment gehört Dir …

Werbebotschaft

Wir leben in einer Gesellschaft, die mehr und mehr vom nächsten Kick bestimmt wird. Zu Urzeiten waren dieser Kick wahrscheinlich die Jagd, die Nahrungsaufnahme und der Sex. Das Jagen und der Sex sind uns abhanden gekommen, jedenfalls in folgendem Sinne: Das Jagen in der Form der Pirsch mit unmittelbar darauf folgendem Jagderfolg und der Sex als spontaner Akt. Das Abhandengekom- mensein dieser natürlichen Aktivitäten führt zu einem Mangelempfinden, das nur durch starke Suchtmittel wie zum Beispiel Zigaretten überlagert werden kann. Suchtmittel sind für diese Überlage- rung sehr geeignet, denn die Regelmäßigkeit,
mit der sie das Suchtgefühl erzeugen, entspricht et- wa der gesunden Aktivierungsfrequenz der ersetz- ten natürlichen Verhaltensweisen.

Einer besonderen Betrachtungsweise bedarf die Nahrungsaufnahme. Denn die Natur verlangt zwar seit Urzeiten regelmäßige Nahrungsaufnahme von den Lebewesen, jedoch gibt es außer beim Mensch keine Überernährung, die nicht den Sinn haben würde, einen bestimmten Zeitraum zu überbrücken, in denen Nahrung aus unterschiedlichen Gründen knapp ist. Einzig der Mensch ist in der Lage gewe- sen, ein kombiniertes System aus Überproduktion und Lagerung zu entwickeln, das eine kontinu- ierliche Überernährung ermöglicht. Die Fähigkeit Fett anzulegen um Mangelperioden zu überleben führt dabei zu einer permanenten Fettanlagerung. Aber: die Mangelperioden-Theorie ist dabei noch nicht zu Ende gedacht. Man muss immer von dem evolutionären Gedanken geleitet werden: Wer hat sich aus welchen Gründen in der Vergangenheit fortpflanzen können? Und in diesem Fall muss die Schlussfolgerung lauten: Je besser ernährt die Eltern waren, desto mehr Nahrung stand zu Verfü- gung und also waren die Überlebenschancen für die Kinder günstiger. Oder: Mehr Fette gleich höhere Überlebenswahrscheinlichkeit des Nachwuchses während der Mangelperioden. So kann man übri- gens vermuten, dass der seit einiger Zeit anhalten- de Schlankheitswahn nur einer pervertierten Anschauung entspringt, die der Disziplin, dem Überfluss nicht zu verfallen einen höheren Stellen- wert einräumt als der Fortpflanzungschance.

Der nächste Kick ist mit verschiedenen Mitteln zu erreichen – bei den meisten von uns ist das Essen die Einstiegsdroge gewesen, was den nächsten Kick betrifft: Denken wir an den Zuckerrausch oder an das lautlose Geräusch (diese Unmöglichkeit spie- gelt am besten die Einleitung des tranceähnlichen Zustands wider) des Hebels, der in uns umgelegt wird, wenn wir Speisen mit viel Fett zu uns nehmen und die uns zum Überessen veranlassen. Ein Relikt aus der Urzeit, das unsere Vorfahren damals durch das Nadelöhr der Evolution springen ließ, indem sie, so gesteuert, überlebenswichtige Fettreserven anlegen konnten.

Manche schaffen dann den Absprung zur gesunden Kombination des Ess-Kicks mit dem Sport. Andere sind zu faul für den Sport und probieren Appetit- zügler, die gleichzeitig den nächsten Kick bringen: Kaffee, Tee, Zigaretten und andere.

Ein Kick entspricht der Zündung eines Motors: Plötzlich läuft der Motor wieder und es kann weiter- gehen. So etwas ist wichtig in einer Leistungs- gesellschaft, die eben genau das, das Weitergehen, fordert. Selbst der Sonntag wird nun mehr und mehr aufgeweicht. Nicht mal dort gibt es Stillstand. Es scheint, als glitten wir immer mehr in den Rausch der ständigen Aktivität, des Mobilseins, der Ge- schwindigkeit. Wohl gemerkt: es geht nicht darum, die Aktivität, das Mobilsein und die Geschwindig- keit abzuschaffen. Nur wird auch keiner ernsthaft behaupten wollen, dass weniger Fähigkeiten besser sind als mehr Fähigkeiten. Zumindest dann nicht, wenn die wenigeren Fähigkeiten zu 100 Prozent bei dem Mehr an Fähigkeiten zu finden seien. Es geht also vielmehr darum, die Fähigkeit des Anhaltens, des Innehaltens, der Meditation und der Kontem- plation, also der Fähigkeit zur besinnlichen, nach- denklich-entspannenden Anschauung von gleich welchem Gegenstand, gleich welcher Beziehung, gleich welchem Verhältnis oder gleich welchem System zu bewahren.

Der moderne Mensch verliert unter dem ständigen Drill der Leistungsgesellschaft und der Werbung jedoch diese Fähigkeit. Und wieder: es ist kein Entweder-oder. Leistung und Ruhe sind nicht un- vereinbar. Dormitorien, also Ruheräume in Firmen und Betrieben reflektieren die Idee und auch die Notwendigkeit der Ruhe sehr gut. Und gleichzeitig machen sie die Menschen leistungsfähiger. — Es wird also in Zukunft darum gehen, gute Ideen konsequent durchzusetzen. Das heißt dann aber auch: Dormitorien für alle. Und vor allem für körperlich arbeitende Menschen. Auch und gerade auf Baustellen zum Beispiel. Das geht alles, würde Joseph Beuys jetzt vielleicht sagen. — Damit der nächste Kick … die Ruhe werden kann. Denn Ruhe ist die Voraussetzung für Liebe ♥ Und Liebe ist unser höchstes Glück und unsere schönste Erfüllung.

Dieser Moment gehört Dir? — Ihr ganzes Leben gehört Ihnen! Wenn Sie aber Momente brauchen, die diese Werbebotschaft meint, läuft in Ihrem Leben leider etwas nicht richtig. Wann wollen Sie sich endlich auf Ihre Spur begeben? Denn diese Spur … gehört Ihnen !

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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