Der Karikaturenstreit | Kapitelübersicht
Nicht selten genug ist so eine schlimme Debatte geführt worden wie um den Karikaturenstreit.

Es wird einem speiübel, wie die pro Pressefreiheit Orientierten mit Meinungsfreiheit und Rechten ar- gumentieren. Haben diese Menschen denn verges- sen, dass die Legislative und die Judikative in ge- rade diesen Fällen, wenn es um Freiheiten geht, Werte in eine Form bringen, die analoge Erschei- nungsformen zum Beispiel bei den Muslimen ha- ben? — Dass aber der höchste Wert überhaupt,
aus dem sich alle anderen Werte ergeben, der ist, der die Achtung und den Respekt vor jedem Men- schen hochhält und den Einzelnen vor Übergriffen von unzivilisierten Asozialen schützen soll, das ha- ben diese selbsternannten Freiheitskämpfer nicht erkannt. Es ist doch viel zu schick, mit rhetorisch- en Tricks auf der Seite der Freiheit zu stehen, ob- wohl es doch eigentlich gar nicht um Freiheit geht. Die Freiheit fängt nämlich dort an, wo ich die Frei- heit des anderen nicht mehr beeinträchtige.

Doch wo eine Karikatur wie die jener dänischen Tageszeitung nicht nur Grenzen des Geschmacks sondern auch die Grenze zu einer anderen Religion überschritten hat, klagt niemand über diesen Über- griff auf die Freiheit des Anderen. Stattdessen wird eine Debatte auf der Grundlage juristischer Argu- mente angestiftet, die naturgegeben nicht anfecht- bar ist. Aber dies nur, weil sie auf dieser logischen Ebene diskutiert. Die darunter liegende, viel stär- kere Ebene menschlicher Wertvorstellungen wird unter den Teppich gekehrt. Rhetorisch ist diese Vorgehensweise äußerst geschickt, sachlich und menschlich betrachtet ein Armutszeugnis. Wer so spricht, ist letztlich dumm, denn er verkennt das Begehren im Menschen nach Anerkennung in der Differenz. Diese Anerkennung nennt man Respekt. Und das Begehren nach diesem Respekt wird erst dann nachhaltig geschürt, wenn die Differenz mit Füßen getreten wird …

 

Nur ein wohlüberlegtes Bild
ist ein gutes Bild
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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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