Der Blödsinn und
der Stumpfsinn | Kapitelübersicht
Man kann davon ausgehen, dass einige Menschen die Begriffe »Blödsinn« und »Stumpfsinn« gleich- wertig verwenden. Wenn wir unser Sprachgefühl und unseren Menschenverstand befragen, erscheint es jedoch sinnvoll, beiden Begriffen eine jeweils speziellere Bedeutung zu geben. Stumpfsinn kann getrost als der unschuldigere Begriff gebraucht werden. Wer abgestumpft ist, hat einen anderen Entwicklungsprozess hinter sich als der, der ver- blödet ist. Verblödet ist jemand in Passivität, abgestumpft ist jemand in einem Prozess, der den Abgestumpften zur aktiven Teilnahme gezwungen oder bewogen hat.

Fühlen Sie sich abgestumpft, gar verblödet? Seien Sie gewiss, dass Sie nur zum Teil dafür verant- wortlich sind. Zum anderen Teil ist es die Konsum- industrie mit ihrer klebrigen Zuckerwatte – süß, isoliert, letztlich tödlich. Tödlich für Ihren Geist. Aber die Konsumindustrie weiß um die Psychologie und kennt deshalb die Sucht von uns nach Süßem. Hierbei ist weniger das Süße gemeint, das in unserem Mund süß ist, sondern vor allem das, was für unseren Geist süß ist.

Dabei ist nicht alles, was die Konsumindustrie fabriziert, schlecht. Aber neben den Weintrauben gibt es das Weingummi. Und neben dem Weizen gibt es die Spreu. Und Sie wissen ja, wie das mit der Verwertung von Spreu in unserem Magen ist: Es wird viel Energie hineingesteckt aber nur wenig Kraft herausgezogen. Mit dem Fazit: Sie haben noch mehr Hunger. Was dann irgendwann tödlich werden kann, wenn Sie sich weiterhin von der Spreu ernähren … Oder einfacher gesagt: Was glauben Sie, wie lange Sie sich ausschließlich von Kristall- zucker ernähren könnten?

Wie können Sie nun wissen, was die Spreu und was der Weizen ist? Und wie können Sie erfahren, was ein Zuckerplätzchen und was ein Vollkornbrötchen ist? — Das können nur Sie selbst ergründen. Ver- trauen Sie Ihrer Intuition und Ihrer Erfahrung. Suchen Sie Orte, Menschen, und Veranstaltungen auf, die Sie schon kennen und von denen Sie wissen, dass sie Sie weiterbringen. Suchen Sie fremde Orte, Menschen und Veranstaltungen auf und achten dabei auf Ihr Gefühl. Ist es schlecht, gehen Sie wieder. Ist es gut, bleiben Sie eine Weile. Und vor allem: Setzen Sie sich unter keinen Druck, wenn es um die Teilnahme an gesellschaftlichen Veranstaltungen geht – manchmal will man auch einfach allein sein. Aber wenn Sie allein sein wollen, dann gehen Sie besser spazieren als vor dem Fernseher allein zu sein. Nehmen Sie ein Notizbuch mit – für den Fall, dass Ihnen beim Spaziergang ein schöner Gedanke kommt, den Sie gerne auf- schreiben würden. Ein Diktiergerät erfüllt den Zweck ebenso.

Letzter Punkt in diesem Zusammenhang: meiden Sie ab sofort Orte, Menschen und Veranstaltungen, die in Ihnen ein schlechtes Gefühl erzeugen. —
Manche werden dann zwar sagen: Du darfst dich nicht zurückziehen, du darfst den Konflikt nicht scheuen. Aber hierbei geht es gar nicht darum, den Konflikt zu scheuen. Es geht nicht um Situationen, die Ihre Konfliktfähigkeit auf die Probe stellen. Diesen Situationen müssen Sie sich weiterhin aussetzen – das ist ein Teil des Lebens. Nein, es geht um Situationen, die an sich kein Konflikt- potenzial enthalten, das eine Auseinandersetzung erfordern würde. Es geht vielmehr um Situationen, die Sie einfach nur frustrieren oder deprimieren, die aber keine Lösung für den Konflikt bereitstellen. Diese Situationen meistern Sie nur, wenn Sie Ihrem Gefühl vertrauen und sich der Situation entziehen. Das Leben ist kein Ort, in dem Konflikte um ihrer selbst willen ausgetragen werden sollten. Es sollte nur Platz sein für Konflikte, die unbedingt gelöst werden müssen.

Sie sind ein Mensch mit einem großen – und was viel wichtiger ist zu betonen: einzigartigen Potenzial. Es ist Ihr Bedürfnis, dieses Potenzial zu entwickeln. Es ist die dritte Art von Hunger, die Sie in Ihrem Leben haben. Stillen Sie ihn. Und beginnen Sie damit – umgehend.

 

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Sinngabe.de © Daniel TORRADO HERMO 2005–2010

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