Das neutralisierte Positiv * | Kapitelübersicht
Postmodernisten denken gerne, dass ihre Arbeit sich radikal von allem unterscheidet, was es vorher gab – aber sie ist eine direkte Hochrechnung dessen, was wir bei Kant finden bezüglich der Idee, dass die Welt auf die eine oder andere Art ein Konstrukt dessen ist, was in meinem Geist passiert. ¹

Prof. Mark Rowlands,
University of Hertfordshire

Idee: *
Die Säkularisierung positiviert (Positiv/Negativ-„Konstrukt“, das Negativ ist das Transzendente, die schlafenden Zellen im Positiv sind die wachen Zellen im Negativ).

Der Egoismus führt zum Stau im Negativ, denn der Egoismus kappt die unsichtbaren Bande zum wachen Negativ. Die wachen Negative müssen ihre Energie daraufhin umleiten, was zu einer positiven Rückkopplung führt: Das egoistische Positiv bekommt keine negative Energie mehr und wird noch positiver. Das heißt: die eigentlich unausweichliche Rückkehr in das Umgekehrte – in diesem Fall das Negative –, wird schwierig, weil das Wissen um das Negative im Bewusstsein des Positiven verloren geht. Wenn es jetzt noch die leiser werdenden Botschaften aus dem Unterbewusstsein verleugnet, ist die konventionelle Rückkehr unmöglich. Es muss in einer Zwischenwelt verharren und darauf warten, dass ein besonders stark negativ beeinflusstes Positiv ihm etwas von seiner Energie abgibt.

Wir glauben an die Materie und an das Leben mit dieser Materie. Und da wir selbst Materie sind und nichts wahrnehmen können außer allem, das wir mit unseren Sinnen aufnehmen können, glauben wir, dass wir eines Tages tot sein werden.

Und weil wir so viel mehr wissen als die Hummel am Fenster, scheint uns der Tod aufgrund unserer Erfahrung umso realer und endgültiger. Dabei befinden wir uns nur in einer hyperkomplexen Formel. Und so, wie ein Schauspieler seine Rolle ablegt, wenn er aus dem Theater geht, werden wir unsere Rolle ablegen, wenn wir sterben. Was wir aber ebenso wenig wie der Schauspieler verlieren werden, wenn wir dieses Theater verlassen, ist unsere Identität, die dann nur noch Rolle gewesen sein wird. Wenn wir diese Rolle im Sterben ablegen, gelangt die von uns bislang vermeintlich als unsere einzige, in Wahrheit aber auf die Erdenwelt beschränkte schimärische Identität in das Archiv. Und unsere eigentliche wahre Identität wird uns gegenübertreten auf dem Weg aus der platonschen Höhle ** heraus.

[René Descartes’] Grundgedanke, dass nur wir Zugang zum Inhalt unseres eigenen Gehirns haben, zeigt das Problem der Außenwelt. ²

Prof. Hubert Dreyfus,
University of California, Berkeley

¹ The Matrix Experience: Die Wurzeln der Matrix, 0:25:11–0:25:29, in The Ultimate Matrix Collection**

² The Matrix Experience: Die Wurzeln der Matrix, 0:18:50–0:18:59, in The Ultimate Matrix Collection**

 

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