Das Geld | Kapitelübersicht
Das Geld ist eine tolle Erfindung. Das besonders Tolle, Faszinierende, Verblüffende ist: an und für sich ist es fast wertlos. Zumindest, wenn man den Produktions- und Materialwert des Geldes mit dem ihm tatsächlich zugeschriebenen Wert vergleicht. Eine kleine metallene Münze hat einen kleinen Wert, der noch nachvollziehbar ist: Ein Stück ge- prägtes Metall erscheint noch wie ein Artefakt, also wie etwas, das von Menschenhand gemacht wurde. Somit hat es also einen gewissen Wert. Bei den schönen Scheinen ist es schon etwas anderes: zu perfekt, zu filigran, zu künstlich wirken sie, als dass sie von Menschenhand gemacht sein könnten. Also sind sie quasi Hyperartefakte.

Da der Wert eines solchen Scheines, was seine Produktion betrifft, nicht nachzuvollziehen ist, muss er auf das reduziert werden, was noch zu erkennen ist: ein Stück Papier. Machen Sie ein kleines Expe- riment: Nehmen Sie ein Stück Papier und schnei- den es zur Größe eines Geldscheines. Nehmen Sie es nun in die Hand und betrachten es. Würden Sie für ein solches Stück Papier töten? — Andere tun es. Ein Logiker könnte die Polemik ausrechnen, dass wir alle für den Tod derjenigen mitverantwort- lich sind, die um des Geldes Willen gestorben sind. Denn nur, weil wir alle dem Geld einen überpropor- tionalen Wert beimessen, gibt es Menschen, die wegen des Geldes töten.

Mein Großvater pflegte entweder zu sagen: »Es kommt nicht darauf an, wie viel Geld du hast. Es kommt darauf an, wie du das Geld, das du hast, verwendest«, oder »Geld zu verdienen ist keine Kunst, wohl aber damit umzugehen.«

Viele Menschen arbeiten für ihr Geld. Manche nicht. Es wäre die Aufgabe der Unternehmen, für Arbeit suchende Menschen Jobs zu schaffen. Es wäre die Aufgabe der Konsumenten, Boykotte zu organisieren, die sich gegen die Produkte von Unternehmen richten, die stärker am Profit als an der Erhaltung von Arbeitsplätzen interessiert sind. Denn nur wir allein sind es, die nicht nur in der Lage sind, etwas zu ändern, sondern auch ein Mo- tiv dafür haben. Das erfordert aber die Anstren- gung sich zu informieren, seine Schlüsse zu ziehen und danach zu handeln. Doch diese Anstrengungen erfordern vor allem eines: den Willen, seine natur- gegebene Freiheit zu nutzen.

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