Das Gefühl und die Gefühle | Kapitelübersicht
Jeder von uns kennt übermächtige Gefühle. Es ist mit den heutigen naturwissenschaftlichen Mitteln nicht zu erklären, woher sie eigentlich kommen. Man kann ihre Ursache zwar oft identifizieren. Aber anscheinend gibt es noch eine Ursache hinter der Ursache. Denn warum jemand kühl und locker bleibt, wenn man ihn kränkt, und ein anderer wutentbrannt einen Kampf beginnt, ist unerklärlich.

Natürlich kann man sagen: der Unterschied liegt in den verschiedenen Temperamenten oder Geschlechtern. Aber warum es unterschiedliche Temperamente gibt, ob sie zu den Persönlichkeiten gehören oder eher mit einer einseitig durchlässigen geistigen Membran zu tun haben, wissen wir nicht mit Bestimmtheit.

Diese semi-permeable Membran könnte aber durch die Gene codiert sein. Der einzelne Mensch kann durch diese Membran Kontakt aufnehmen mit jenem, was wir zurzeit nicht sachlicher als mit dem kosmischen Geschwister bezeichnen können.

Ex tempore: Diese Hypothese wird im Übrigen gestützt von einer anderen Hypothese: Dass der Mensch zumindest Teile des kosmischen Gesamtkonzepts in sich trägt und sich dieses Rezepts bedient und versucht, es immer mehr nachvollziehend umzusetzen. Das Klonen hier auf Erden entspricht dem unbewussten Wunsch nach der Überführung des eigenen Bewusstseins in die Ewigkeit. Da hingegen erscheint die Technik des Einfrierens des toten Körpers mittelalterlich, gleicht es doch dem Versuch, ein Neugeborenes in den Mutterleib zurückzuführen.

Für den ökonomisch orientierten Menschen erscheinen Gefühle oft irrational und im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit sogar unökonomisch. Dass sie doch existieren ist kein Überbleibsel, kein Rudiment der Geschichte. Sie sind Kassiber, geheime Botschaften unseres jeweiligen Geschwisters. Wenn wir uns ihm ergeben, wird der Sendstrahl zum Leitstrahl und beginnt zu leuchten. Dieses Leuchten können wir Menschen mit unseren Augen nicht sehen. Aber wir können diese Dimension indirekt wahrnehmen: Durch die Ausstrahlung, mit der uns ein Mensch anzieht. Diese Anziehungskraft und diese Ausstrahlung sind eine in Gefühle übertragene Abbildung des leuchtenden Leitstrahls. Dieser Leitstrahl ist das Eigentliche, das wir wollen, denn er wird uns zu dem führen, das wir diesseitig als Himmel bezeichnen und das wir diesseitig bereits als Himmel erfahren können.

Einen Haken hat die Sache noch: geht es hier doch um das Gefühl und die Gefühle. Bis jetzt wurden sie im Text quasi synonym verwendet. Aber sie meinen eben nicht das Gleiche. So sagen wir ja auch in manchen Situationen: Mein Gefühl sagt mir, ich sollte das und das machen … Wir sagen nicht: Meine Gefühle sagen mir, ich sollte das und das machen

Wir Geister wurden in einer Art Schuh geboren, den wir ablegen, wenn wir sterben. Dieser Schuh ist der Körper. Und der Körper hat eine sehr lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. Denkbar ist, dass das dunkle Wesen einsam gewesen ist, und dass es damit begonnen hat, mit den lebendigen Schuhen zu spielen. Dann aber ist ein Unglück passiert und ein geistiger Funke ist übergesprungen auf die Schuhe. Und zwar übergesprungen durch einen Kanal, der weiterhin geöffnet werden kann – von dem dunklen Wesen ebenso wie von den Schuhen. Der Funke bewirkt eine Auslagerung von Teilen des dunklen Wesens, so dass die Schuhe sich selbst wie ein Teil des dunklen Wesens wahrnehmen. Mit seiner Macht und seiner Potenz Neues zu erschaffen, zu schöpfen.

Dieser Teil des Bewusstseins der Schuhe ist die Persönlichkeit, die die Schuhe individuell macht. Es gibt aber auch etwas, das darunterliegt, man könnte auch sagen: das Darunterliegende, oder mit einem Fremdwort gesagt: das Subjekt. Dieser Teil des Wesens der Schuhe ist nicht von dem dunklen Wesen durch den offenen Kanal und den Schuhen steuerbar. Dieser Teil ist tierisch und das heißt: von Naturgesetzen programmiert – zum Beispiel von dem wertfreien Fressen und Gefressen Werden.

Das Entscheidende hierbei ist: Beides – das Programm des Schuhs und die geistig eingepflanzte Persönlichkeit handeln nach etwas, das einzeln scheint, aber zwei unterschiedliche Dinge vereint: Das Gefühl. Das Gefühl aber ist eigentlich das, was für den Kontakt mit dem dunklen Wesen steht. Während die Gefühle dem Schuh auf der gleichen Wellenlänge die Gesetzmäßigkeiten der Natur / des Tiers mitteilen.

Der Geist pflanzt sich fort durch Übertragung seines geistigen Gefühls auf einem Kanal der tierischen Gefühle (und Affekte).

Es gibt unter den Schuhen Profis, die gelernt haben, ihren Geist nicht auf Tiere zu übertragen. Wenn Sie zu diesen Profis gehören, können Sie an dem folgenden Experiment nicht teilnehmen:

Kaufen Sie sich ein Kaninchen, das man schlachten kann. Kaufen Sie sich ein zweites Kaninchen. Ziehen Sie das erste Kaninchen als Haustier auf, das zweite aber als ein Tier, dass Sie schlachten lassen werden, sobald es schön fett geworden ist. Was das Wasser, das Futter und den Standort betrifft, sollen es beide Kaninchen gleich gut haben.

Da dies ein theoretischer Versuch bleiben kann, werde ich Ihnen nun das theoretische Ende erzählen: Der Versuch sieht vor, dass Sie sich kurz vor dem Schlachttermin noch einmal melden, um eine letzte Versuchanweisung zu erhalten. Sie melden sich also bei mir, und ich teile Ihnen mit, dass Sie das andere Tier schlachten lassen sollen.

Da Sie ein geistiges Wesen in einem Schuh sind, haben Sie einen Teil Ihrer geistigen Energie über den Kanal in Form Ihres Gefühls auf das Haustier übertragen, weil es geistiger Gefährte sein sollte. Das andere Kaninchen haben Sie als Nahrung angesehen und es deshalb vermieden, es mit Ihrem Gefühl zu besetzen. Sie wollen ja nicht Teile Ihres Selbst aufessen.

Diese Prozesse laufen bei uns Schuhen unbewusst ab, weil wir uns als Schuhe sehen. Gleichzeitig laufen diese Prozesse aber sehr effektiv ab. Oder was glauben Sie, warum ein Schuh in einem Mercedes SL an einem anderen Schuh vorbeifährt, der in der Gosse verkümmert?

Wir leben in einer zutiefst bewusstseinsverwirrten Welt, in der einige Schuhe meinen, sie seien besser als die anderen Schuhe. Mit der Begründung, dass die anderen im Grunde gar keine richtigen Schuhe seien. Dies ist im doppelten Sinne falsch: Erstens sind alle Schuhe in ihrer gemeinten Funktion gleich, denn sie sind für uns Menschen die körperlichen Träger unserer anwachsenden Geistigkeit.

Aber zweitens befinden sich die reichen Schuhe in einem katastrophalen Irrglauben: Denn nicht nur, dass sie falsch darin liegen, die armen Schuhe seien minderwertig – darüber hinaus ist ihre Selbstisolierung, mit der sie sich abgrenzen und Mauern um ihre Häuser bauen, eine fatale Abgrenzung von dem übrigen geistigen Reich. Sie lernen nicht die Sprache der Mehrheit. Und sie verstehen nicht, wozu sie diese Sprache brauchen: dass es in der geistigen Welt um einvernehmliche Integration geht. Wie sollen sie die Sprache vernehmen, wenn sie sie nicht lernen?

Wir müssen unseren Geist in das dunkle Wesen integrieren, wenn wir unseren Schuh verlassen. Und wenn die Mehrheit des dunklen Wesens uns nicht aufnehmen will, bleiben wir außen vor. Es gab aber immer schon mehr arme als reiche Schuhe, und wenn sich deren Geister in das dunkle Wesen integrieren konnten, besteht das dunkle Wesen hauptsächlich aus sich selbst und den Geistern der armen Schuhe. Eine Mehrheit wird sich zwangsläufig nur für diejenigen finden, die nicht müde wurden ihre Reichtümer nur deshalb zu vermehren, um den Überschuss zu verschenken.

Für jene aber, die auf ihrem Besitz hocken, kann es keine Sympathie geben. Und deshalb auch keine Mehrheit.

Und das ist die wahre Hölle: die ewige Quarantäne von der geistigen Mutter, dem geistigen Vater.

Das können sich die reichen Schuhe natürlich jetzt nicht vorstellen.

PS:

Das Leuchten der Kinderaugen – was sollte es anderes sein als das Leuchten des dunklen Wesens, das uns eine Ahnung von dem Paradies der Verbundenheit geben will …

Foto: Nora Fortmann

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