Das Bringt-doch-alles-nichts | Kapitelübersicht

A real loser is somebody that's so afraid of not winning, they don't even try… *¹

Das Bringt-doch-alles-nichts ist ein Phänomen, das mehrere Ursachen hat. Exemplarisch sollen hier das mangelnde Beteiligungsgefühl und die Angst vor Versagen behandelt werden. Beide Ursachen können miteinander zusammenhängen.

Ein passiver, vermeintlich nichtsnutziger und augenscheinlich schmarotzender Mensch befindet sich tatsächlich nur in einer Starre. Er sieht das Leben der Anderen an sich vorbeiziehen, sieht sie arbeiten – zielstrebig und beharrlich offenbar –
und sieht keinen Platz mehr um sich selbst zu ent-
falten. Das Leben der Anderen und das Eigen-
leben der Medien verbinden sich vor seinen Augen zu einem mächtigen Strom, in dem er sich selbst untergehen sieht, sollte er sich in diesen Strom wa-
gen. Er fühlt sich nicht stark genug. Der einzige Weg seine Restwürde als Mensch zu bewahren sieht er in seiner Starre. So wie eine Angststarre bei manchen Tieren wird auch seine Starre un-
terbewusst von allen Beobachtern als eine Ver-
zweiflungstat angesehen. Die Wahrung der Rest-
würde besteht nun in seiner Passivität im Gegensatz zu einer Aktivität, die in der um Hilfe bittenden Ansprache der Vorbeiströmenden bestehen würde.

Ein Verlierer ist jemand, der solche Angst vor dem Verlieren hat, dass er [] nicht mal versucht [zu gewinnen]. *¹

Die zweite Ursache des Phänomens liegt in der Angst vorm Versagen. Leider ist es so, dass es in unserer Gesellschaft nur wenige Konzepte gibt,
mit denen Versagen aufgefangen werden kann. Oft ist es schlicht der Alkoholmissbrauch, der dafür herhalten muss. Leider löst dieses Konzept nichts. — Hilfreicher erscheint ein anderes: Wenn man
das Leben fatalistischer sieht und sich sagt, das al-
les so ist, wie es sein sollte, und alles so kommen wird, wie es kommen muss – dann wird die Angst vorm Versagen zumindest gelindert.

Wir alle sind hier um genau das zu tun, was wir tun …**

Das Hilfreiche an diesem Konzept ist aber nun tatsächlich, dass man sich nunmehr vollständig auf sein Gefühl konzentrieren kann, da es ja nicht mehr darum geht in das System der Gewinner und Ver-
lierer einzudringen. Um gewinnen zu können.

Es gibt zwei Arten von Menschen auf dieser Welt: Gewinner und Verlierer. Und in jedem Menschen – in jedem einzelnen von Ihnen – tief im Innern, im Kern Ihres Wesens, wartet ein Gewinner darauf aufgeweckt zu werden und die gesamte Welt zu erobern …*²

In dem letzten Satz des so eingängig erscheinen Zitates steckt dann aber auch schon die Crux: Wir sprechen immer davon die gesamte Welt zu erobern und sind mit diesem Ziel aber von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es ist nicht einmal leicht auch nur einen einzigen Menschen zu erobern. Und wenn man dann aufgibt …

Olive, das Wichtigste was du verstehen musst ist, dass Onkel Frank sich aufgegeben hat. Er hat viele dumme Dinge getan – tut mir leid –, und er hat sich selbst aufgegeben und das ist etwas, was Gewinner niemals tun. *³

Noch ist Richard zuversichtlich, dass sein Buch gedruckt wird. Deshalb versucht er sich selbst einzureden, dass alles klappen wird, wenn man nur stark genug an sich glaubt. — Doch zwischenzeit-
lich ist Richard selbst zum Verlierer geworden. Sein Vater jedoch macht ihm klar, dass das kein Welt-
untergang ist. — Dies ist ein Trost für alle, die sich als Verlierer fühlen (zumal Richard am Ende etwas ganz anderes gewinnen wird) …

Richard, was auch immer passiert, du hast versucht dir was Eigenes aufzu-
bauen. Und das ist schon mehr als die meisten Leute schaffen werden – und da beziehe ich mich mit ein. Du hast etwas gewagt, das erfordert Mut, und ich bin stolz auf dich. *°

DVD, 2007, Twentieth Century Fox Home Entert.

* Little Miss Sunshine, Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris; Big Beach/Bona Fide, USA 2006:

¹ ab 0:43:38
² ab 0:01:21
³ ab 0:14:30
° ab 0:39:12

** Matrix Reloaded, Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski; Village Roadshow Films, USA 2003. Ab 0:44:30

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